KAFFEE IST ALLES

Die stimulierende Wirkung ist unbestritten. Doch wie steht es um die Gesundheit?

Laut der Legende nach wurde Kaffee im Jahr 850 v.Ch. entdeckt, als einem äthiopischen Ziegenhirten namens Khaldi seine Ziegen weggelaufen. Als er sie wiederfand, sah er, wie sie neben einem Strauch mit dunklen Blättern tänzelten und seine roten Beeren kauten. Khaldi selbst probierte die Beeren nach ein paar Minuten tanzte er um den Strauch. Dann erzählte er den Mönchen, die in der Gegend lebten, über seiner Entdeckung.

Mönche verarbeiteten die Beeren indem sie sie zunächst ins Feuer legten und danach in heißem Wasser einlegten. Das daraus entstandene Gebräu war nicht nur schmackhaft.  Es half den auch, während langen Gebeten wach zu bleiben. Und es dauerte nicht lange, da galt das Getränk als internationale Sensation jedenfalls in Klöstern. 5O Jahre später lernten Araber, wie man aus den Samen, die sich im Inneren befanden, ein Gebräu gewinnen kann.

Kaffee wurde dann zu einem wichtigen Bestandteil muslimisch-religiöser Kultur.

Im 16. Jahrhundert gelangte der Kaffee zunächst in die Türkei, später dann nach Venedig, und war schließlich in ganz Europa verbreitet. Kaffee­häuser wurden zu beliebten Treffpunkten, und zwar schneller als Sie „Starbucks“ sagen können.

Im späten 17. Jahrhundert wurde Kaffee in die damali­gen amerikanischen Kolonien exportiert, und die Vorliebe der Amerikaner für Kaffee hält bis heute an.

  • Mehr als die Hälfte des jährlich weltweit hergestellten Kaffees wird in den USA getrunken. Das sind durchschnittlich 16 Pfund pro Person
  • US-Amerikaner trinken etwa 400 Millionen Tassen Kaffee am Tag
  • In jeder Sekunde werden in Amerika 4848 Tassen ge­trunken
  • Allein in New York werden alle 20 Minuten zwei Millionen Tassen konsumiert
  • Während 37 Prozent der Amerikaner rauchen, trinken 80 Prozent Kaffee, durchschnittlich drei­einhalb Tassen am Tag
  • Kaffee enthält mehr als 600 Substanzen, aber seine Hauptwirkung wird allgemein auf das Koffein zurückgeführt

Koffein ist ein natürliches Stimulans, das in 63 Pflanzen­arten vorkommt. Es ist ein Alkaloid, das heißt, es ist eine bitter schmeckende und stickstoffreiche Substanz, die in Pflanzen zu finden ist. Es hat eine ähnliche molekulare Struktur wie Morphium, Nikotin, Chinin und Strychnin.

Unter chemischem Aspekt wird Koffein als ein Methylxanthin ein­gestuft, das ähnlich wie Purine Harn­säure und Nukleinsäuren enthält.

Koffein ist auch in anderen Lebens­mitteln enthalten, wie beispielsweise in Tee (ein bis vier Prozent), Kolanüssen (drei Pro­zent) und Kakao (0,07 bis 0,36 Prozent).

Mit Koffein verbindet man meistens jedoch Kaffee. Eine normale Tasse Kaffee enthält etwa 100 Milligramm Koffein.

Eine Analyse von 14 unterschiedlichen Kaffeesorten, die von US-amerikanischen Coffee-Shops gekauft werden, ergab jedoch Folgendes: 240 Milliliter gebrühter Kaffee enthält zwischen 58 und 76 Milligramm Koffein. Die gleiche Menge ist auch in einer einzigen Tasse Espresso enthalten.

PRODUKTKOFFEINANTEIL
gebrühter Kaffee – 170 ml Tasse100 – 150 mg
Pulverkaffee – 170 ml Tasse86 – 99 mg
entkoffeinierter Kaffee – 170 ml Tasse2 – 4 mg
Tee – 170 ml Tasse60 – 75 mg
Kakao – 170 ml Tasse5 – 10 mg
Cola – 330 ml Dose32 – 65 mg
Vollmilchschokolade – 28 mg Stück6 mg
Diät Cola – 330 ml Dose45 mg


Die Forschung kam jahrelang zu wider­sprüchlichen Schlussfolgerungen, ob Koffein und somit Kaffee gut für den Menschen ist oder langfristig eine Bedrohung für die Gesundheit darstellt. Schauen wir uns die Beweislage mal etwas genauer an.

Das Ergebnis:
Zwei Studien ließen einen Zusammenhang erkennen, eine Studie war nicht beweiskräftig, und sieben Studien zeigten überhaupt keinen Zusammenhang. Eine der Studien wies darauf hin, dass sich der Risikofaktor für Herzerkrankungen um 60 Prozent erhöht hatte. Und zwar bei Krankenhauspatienten, die ein bis fünf Tas­sen Kaffee am Tag tranken. Bei Patienten, die sechs oder mehr Tassen tranken, erhöhte sich der Risikofaktor um 120 Prozent. Doch es wurden Patienten miteinander verglichen, die regelmäßige Kaffeetrinker waren und zuvor Herzinfarkte erlitten haben und sol­che, die keinen Kaffee tranken und andere Krankheiten aufwiesen.

Eine weit verbreitete Studie von Medi­zinstudenten der Johns-Hopkins-Universität fand heraus, dass Kaffeetrinker ein zwei bis dreimal höheres Risiko an Herzerkrankungen haben.
Das Problem war nur, dass andere koronare Risikofaktoren – wie zum Beispiel eine fettreiche Diät, Trainingsmangel und übermäßiger Stress – ignoriert wurden.
Das gleiche Problem war bei einer Studie an 14500 Norwegern der Fall. Es zeigte sich, dass Kaffeetrinker höhere Cholesterinwerte und mehr Triglyceride im Blut auf­wiesen. Wie sich jedoch herausstellte, waren die Teilnehmer auch Raucher, ernährten sich fettreich und betrieben keinen Sport.
Andere skandinavische Studien wurden durch die Art der Kaffeezubereitung in diesen Ländern vereitelt: Das Kaffeemehl wurde ohne Filter aufgekocht.

Die Substan­zen im Kaffeeöl – Cafestol und Kahweol -steigern die Blutcholesterinwerte, indem die Aktivität der Rezeptoren des LDL-Cholesterins unterdrückt wird. Normalerweise unterstützen diese Rezeptoren den Körper bei der Ausscheidung von Cafestol und Kahweol. Und mit Kaffeefiltern werden diese Kaffeeöle ausgesiebt. Gekochter Kaffee, türkischer Kaffee und französisch gepresster Kaffee enthalten pro Tasse durchschnittlich zwischen sechs und zwölf Milligramm Cafestol und Kahweol.
Dagegen beinhaltet gefilterter Kaffee nur 0,2 bis 0,6 Milli­gramm davon pro Tasse. Diese Substanzen galten als das eigentliche Hauptproblem, denn durch Tee, der ebenfalls Koffein ent­hält, werden die Werte des Blutcholesterins nicht erhöht. Eine Studie zeigte jedoch, dass Filterkaffee das Serumcholesterin etwas ansteigen lassen kann.
Eine andere Studie untersuchte, wie wirksam sich Kaffeefilter gegen Cholesterinhöchstwerte erweisen können: Trinkt man täglich vier oder mehr Tassen Kaffee, wird das LDL-Cholesterin ausreichend gesteigert, so dass sich der Risikofaktor für Herzerkran­kungen um neun Prozent erhöht. Anderer­seits wird durch Kaffee auch eine schützende Form des HDL-Cholesterins genügend gesteigert, so dass sich das Risiko an Herz­erkrankungen um sieben bis elf Prozent senkt.
Der Nettoeffekt ist also gleich null.
Viele Forscher vermuten, dass Kaffee zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Dr. Martin G. Myers, ein Kardiologe am Sunnybrook Medical Center in Toronto, ist jedoch anderer Meinung: „Eine moderate Einnahme von Kaffee führt bei gesunden Menschen zu keinem häufigeren oder ernst­hafteren Auftreten von Herzrhythmus­störungen. Gleiches gilt für Patienten mit ischämischen Herzkrankheiten und bei Men­schen mit bereits vorhandener ventrikulärer Ektopie.“ Und wieder andere Studien konn­ten keinen Zusammenhang zwischen dem Trinken von Kaffee und Schlaganfällen erkennen.


Homozystein, ein Abbauprodukt der Amino­säure Methionin, gilt als Risikofaktor für Herzerkrankungen, wenn sich zu viel davon im Blut befindet. Eine zehnprozentige Er­höhung des Plasmahomozysteins wird mit einem zehn bis 15 Prozent höheren Risiko­faktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.
Viele Studien zeigen, dass ein großer Kaffeekonsum in Zusammenhang mit erhöhten Homozysteinwerten im Blut steht.
Eine Studie an 16000 Norwegern zeigte ein dosierungsabhängiges Verhältnis zwischen dem Kaffeekonsum und den Homozystein­werten. Personen, die täglich neun Tassen Kaffee tranken, wiesen 20 Prozent mehr Bluthomozystein auf als diejenigen, die keinen Kaffee tranken.
Eine andere Studie untersuchte Kaffee, der mit Papierfiltern gebrüht wurde, und das Resultat war: Das Trinken von zehn bis 15 Tassen normal starken Kaffees über zwei Wochen führte bei 26 Personen zu einem 20 prozentigen Anstieg der Homozystein werte.
Die gute Nachricht ist, dass die hohen Homozysteinwerte neutralisiert wer­den, wenn man vermehrt die Vitamine B12 und Br sowie Folsäure zu sich nimmt.
Die Studien an Personen, die bereits einen hohen Blutdruck haben, haben Folgendes gezeigt:
Die Kombination von Training und Kaffee­konsum kann den Blutdruck um zehn Pro­zent ansteigen lassen.
 
Eine andere Studie beobachtete die Auswirkungen des Trinkens von Kaffee bei 34 gesunden Männern vor dem Training: Bei 15 Männern stieg der Blutdruck um 44 Prozent.
Eine elf Jahre währende Studie an 6000 Männern und Frauen im Durchschnittsalter von 40 Jahren untersuchte das Problem der Koffeineinnahme in Zusammenhang mit dem Blutdruck. Bei Frauen, die jeden Tag bis zu sechs Tassen Kaffee tranken, zeigte sich keine größere Wahrscheinlichkeit, dass sie innerhalb von zehn Jahren einen höheren Blutdruck entwickeln würden. Die Frauen jedoch, die entweder gar keinen Kaffee oder drei Tassen oder noch weniger tranken, liefen eher Gefahr, einen höheren Blutdruck zu entwickeln. Männer, die überhaupt keinen Kaffee tranken, wiesen ein geringeres Risiko auf als die Männer, die Kaffee tranken.